Die vergleichende Lackuntersuchung

Die Motive für eine Untersuchung von Lackproben können vielfältig sein. Allgemein dient eine Lackuntersuchung der Aufklärung eines Unfallhergangs. Es kann festgestellt werden, ob und von welchem Fahrzeug ein sicher gestellter Lackabrieb stammt. Kläger können ggf. beweisen, dass es bei einem Unfall tatsächlich zu einem Kontakt zweier Fahrzeuge kam. Beklagte können sich andererseits absichern und ggf. beweisen, dass sie nicht Verursacher eines Schadens waren.

Bei der vergleichenden Lackuntersuchung nutzt das HDZ aus Aachen mikroanalytische Verfahren zur morphologischen und chemischen Charakterisierung der Lackproben. Jede Probe weist individuelle Merkmale auf, die verglichen werden können.

Spurensicherung

Sind erste Maßnahmen nach einem Unfall getroffen und der Unfallort abgesichert, können bereits Spuren gesichert werden. Im Normalfall übernimmt dies die Polizei. Diese sichert Lackabrieb, Lacksplitter oder Lackübertragungen meist mit der so genannten „Spurfixfolie“.

Sollte es zum Streitfall kommen, lässt sich über eine Suchmaschine auch schnell ein passender Unfallgutachter, Sachverständiger für Unfallrekonstruktion und/oder Fachanwalt finden.

Die sichergestellten Lackproben können sich Unfallgutachter oder Fachanwälte bei Streitfragen aushändigen lassen und diese einer Lackuntersuchung unterziehen. Meist reichen kleinste Mengen aus.

Mikroanalytische Untersuchung

Da keine Lackprobe wie die andere ist, erfolgt beim HDZ zunächst eine Probeneingangsdokumentation. Die Proben werden fotografiert und erhalten eine eindeutige Kennung unsererseits. Auch wird das weitere Vorgehen intern abgestimmt.

Im Regelfall erfolgt nun eine lichtmikroskopische Untersuchung. Hier werden unter definiertem Kunstlicht und mittels Mikroskop erste Charakteristiken festgehalten. Hier erfolgen beispielsweise Farbvergleiche und Abriebspuren werden fotografisch festgehalten. Weiterhin erfolgt die Auswahl eines repräsentativen Bereiches, der für die mikroanalytische Untersuchung genutzt wird.

Der ausgewählte Bereich muss für die rasterelektronenmikroskopische Untersuchung
(REM-Untersuchung) vorbereitet werden; also vakuumtauglich und leitfähig werden. Bei der REM-Untersuchung wird die Probe normalerweise in Draufsicht untersucht. Augenmerk liegt dabei auf der Morphologie des Lackabriebs und der Lacksplitter, sowie auf dem Auftreten (Dichte und Größe) von Partikeln bzw. Füllstoffen. Solche Bestandteile definieren den Lack und machen diesen einzigartig. Das im HDZ in Aachen verwendete REM ermöglicht durch seine Hochauflösung Vergrößerungen von über 100.000fach, was die Analyse kleinster Bestandteile erlaubt. Unser REM ist mit einem EDX-Detektor ausgestattet, der die simultane Analyse der chemischen Zusammensetzung ermöglicht. Auf diese Weise können der Abrieb, aber auch die gefundenen Partikel und Bestandteile auf deren chemische Zusammensetzung hin untersucht werden.

Bei der vergleichenden mikroanalytischen Lackuntersuchung werden nun die charakteristischen Merkmale einer jeden Lackprobe zusammengestellt und mit den Merkmalen einer anderen Lackprobe verglichen. Hat sich der Lack eines Fahrzeugs auf das andere Fahrzeug übertragen, bestand also Kontakt zwischen beiden Fahrzeugen, lassen sich diese Spuren mikroanalytisch belegen.

Die Ergebnisse der Untersuchung werden in einem Bericht zusammengefasst und erörtert. Zusammen mit den bereitgestellten Proben wird der Bericht dann an den Auftraggeber zurück gesandt.

Einsatzfelder und Beispiele gutachterlicher Tätigkeit

Das Gutachter- und Sachverständigenwesen wird im Wesentlichen durch zwei Eigenschaften beschrieben.

Zum Ersten ist es das (spezialisierte) Wissen eines Fachgebietes. Hierbei ist es einem Gutachter möglich, problemlos auf die teilweise komplexen Fragestellungen zu seinem Wissensbereich Stellung nehmen zu können.

Zum Anderen arbeitet ein Gutachter und Sachverständiger unabhängig. Er bildet sich seine Meinung aufgrund objektiv gewonnenener Ergebnisse und mithilfe seines Kenntnisstandes. Daher wird eine gutachterliche Dienstleistung oft mit gerichtlichen Streitfällen assoziiert. Und tatsächlich gehören Gerichtsgutachten zur Kernkompetenz eines Sachverständigen.
Aber auch abseits von Gerichtsverfahren kann ein Sachverständiger wichtige Arbeit leisten. Denn oft wird eine schriftliche und verbindliche Aussage benötigt, um einen Schadensfall bewerten zu können. Ebenso kann ein Gutachter Fachfragen beantworten oder zu und Problemstellungen Stellung nehmen.

Um welche Fragstellungen es sich handeln kann, sehen Sie hier:

  • Materialversagen bei metallischen Komponenten (Ursachenklärung zum Werkstoffversagen)
  • Vergleichende Lackuntersuchung (Mikroanalytische Untersuchung von Lacksplittern nach Unfall im Straßenverkehr, bei Unfallflucht usw.)
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  • Fahrzeuglampenbegutachtung bzw. Wendelbruchuntersuchungen (im Rahmen von Unfallrekonstruktionen zur Klärung einer Mithaftung oder Haftung bei Unfällen im Straßenverkehr)
  • Beantwortung von Streitfragen zu Beschichtungen (z.B. Pulverbeschichtungen, Eloxal usw.), Lacken oder Oberflächenvergütungen
  • Bewertung von Materialeigenschaften für spezielle Bauteile und Anwendungen (z.B. Verwendbarkeit von Stählen in lebensmitteltechnischen Produktionsanlagen, Ermittlung von Verschleißeigenschaften)
  • Bestimmung und Begutachtung von Fremdkörpern (Partikeln, Späne etc.) und Ermittlung der Herkunft von Fremdkörpern in Fertigungsanlagen, Produktionsanlagen und in Lebensmitteln.
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